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4/2008 Roggenschrot und Gugelhupf
Essen ist mit vielen Gefühlen besetzt. Guten und schlechten. Und unser Essverhalten wird von zahlreichen äusseren und inneren Einflüssen gesteuert: Vorlieben und Abneigungen, Werbung und der traditionellen Familienkost, genetischen Faktoren und vielem mehr. Gerade die ersten Lebensjahre bieten die Chance, diese Prägungen zu beeinflussen. Persönliche Vorlieben werden schon im Mutterleib und beim Stillen durch die Nahrung der Mutter gesteuert. Und die ersten (Brei-)Mahlzeiten beeinflussen die Essensgewohnheiten für lange Zeit. Es lohnt sich also, als Eltern drüber nachzudenken, wie die individuelle Familienkost aussehen soll. Dabei ist das was und wie wichtiger als das woher. "Roggenschrot und Gugelhopf" befasst sich deshalb nicht nur mit dem Lernprozess des Essens, sondern auch damit, ob gesunde Ernährung nur aus dem Bioladen oder auch aus dem Supermarkt möglich ist.
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Essen ist lernbar
Gabi Eugster
Essen ist Instinkt, Verlockung und Freude - und Essen ist lernbar. Innerhalb dieser Pole bewegen sich die Essgewohnheiten eines Menschen lebenslänglich. In der Kindheit sind die Verlockungen noch zentral.
Das Baby schreit, weil es Hunger hat, die Mutter erkennt das Zeichen des Babys, gibt ihm die Brust und das Kleine hört dann auf zu trinken, wenn es satt ist. Dies ist der absolute Idealzustand der Ernährung und alle gesunden, kleinen Kinder kommen mit diesem Wissen darum, was ihnen gut tut und was sie brauchen zur Welt. Sie beginnen zu essen (beziehungsweise trinken), wenn sie hungrig sind und sie beenden die Mahlzeit, wenn sie satt sind. Äussere Einflüsse, wie das Bild eines leckeren Schokoriegels haben noch keinen Einfluss auf die Nahrungsaufnahme.
Die Rolle der Eltern
Dieses ideale Verhalten funktioniert in der heutigen Überflussgesellschaft nicht langfristig. Reize von aussen, Verlockungen und Zwänge überlagern den Instinkt immer häufiger. Dabei ist der Übergang vom reinen Stillkind hin zum Breikind eine wichtige Schwelle. Denn hier zeigt sich erstmals, wie Eltern mit dem Thema Ernährung umgehen. Konnten die Eltern bisher darauf vertrauen, dass das Baby mit der Muttermilch sowohl die richtige Menge als auch die optimale Nahrung erhält, müssen sie jetzt entscheiden, was und wie viel ihr Kind essen soll. Die Zeit, wenn das Baby zwischen sechs Monaten und zwei Jahren alt ist, prägt das Essverhalten lange Zeit, um nicht zu sagen lebenslänglich. Dabei braucht es etwas Mut, gerade das "wie viel" weiterhin dem Kind zu überlassen. Insbesondere wenn das Baby ausserhalb der Norm liegt, sehr leicht oder schwer ist, sehr viel oder wenig isst. Vertrauen die Eltern jedoch ihrem gesunden Kind, so weiss es sehr genau, wie viel Nahrung es braucht und sein Instinkt von Hunger und Sättigung wird gewahrt.
Gerade in dieser Phase ist es wichtig, dass die Verantwortlichkeiten des Essens gleich zu Beginn richtig verteilt werden. Die goldene Regel der Kindererziehung heisst: Die Eltern bestimmen das Angebot, das Kind bestimmt, wie viel es essen möchte. Diese Regel gilt vom ersten Tag an bis zum Teenageralter, bis hin zu dem Tag, an dem der junge Erwachsene die Verantwortung für sein Essen endgültig selbst in die Hand nehmen muss.
Wenn Essen missbraucht wird
Bis es soweit ist, sind noch einige Fallen zu umgehen. Unheilvolle Prägungen können Eltern vermeiden, wenn sie Essen nicht missbrauchen:
- Trost: Wenn sich ein Kind das Knie aufschlägt und untröstlich schreit, wenn Herumtragen nichts nützt und Singen auch nicht, dann ist die Verlockung sehr, sehr gross, zum Keks zu greifen, um das Weinen zu beenden. Und schon prägt sich das Kind ein: Essen = Trost.
- Ablenkung: Ein Kind quengelt und quengelt. Es ist ihm langweilig und es hat schlechte Laune. Jetzt die süsse Schnitte oder den Kinderjoghurt hervorzuzaubern würde das Problem lösen. Aber nur kurzfristig. Denn das Kind prägt sich ein: Wenn es mir schlecht geht, muss ich nur zum Essen greifen!
- Belohnung: Für die ersten Schritte gibt es einen Keks. Wenn die Tochter erstmals ein Strichmännchen malt ein Eis und wenn der Sohn mit dem Laufrad zehn Meter schafft ein Schokoriegel. Essen als Belohnung einzusetzen macht süchtig. Ein di-ckes Lob ist meist mehr wert.
Essen und Gefühle sind untrennbar verbunden. Eltern tun gut daran, gute Gefühle (auch) mit gesunden Nahrungsmitteln zu verbinden. Ein Stück Gurke wenn die Kinder bärenhungrig aus dem Kindergarten nach Hause kommen, am Sonntag immer einen Apfelstrudel, zum Vesper Apfel mit Vollkorncracker. All das stellt langfris-tig die Weichen für eine gesunde Ernährung.
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